Buch Rezension: Road of Skulls – Ein Gotrek und Felix Roman

Buch Rezension: Road of Skulls – A Gotrek and Felix Novel von Josh Reynolds



Nach Nathan Long und William King hat nun Josh Reynolds die Serie um die “Warhammers longest running series” der Black Library übernommen. Mit Road of Skulls liefert er nun seinen ersten richtigen Roman. In der Gotrek and Felix Anthologie steuerte er schon eine Kurzgeschichte bei und dann noch in Charnell Congress eine Art drittelroman der meines Wissen nur als EBook erschien. Die Kurzgeschichte und Charnell Congress waren solide Geschichten. Das Intermezzo mit einem der Carsteins in Wurtbad in Charnell Congress war durchaus schön zu lesen.


Road of Skulls schließt nun direkt an Charnell Congress an und es wird an einigen Stellen kurz darauf referiert. So wie auch in einem der Nathan Long Bücher auf die Geschehnisse aus dem Audio Drama „Slayer of the StormGod“ Bezug genommen wurde. Also gutes Crossmarketing.

Ein kurzer Handlungsüberblick der sich auf die ersten 60% der Handlung bezieht. Minimale Spoiler folgend.

Das ungleiche Duo befindet sich auf dem Weg nach Karak Kadrin welches beide von einer Chaosarmee belagert finden. Durch einen Geheimgang gelangen sie in die Festung und helfen bei der Verteidigung dieser. Dabei treffen die Helden bereits Ungrimm Eisenfaust, den Slayerkönig von Karak Kadrin und dessen Slayersohn Garagrim. Kennern des Tabletops und des Sturm des Chaos werden beide Namen etwas sagen.

An der Stelle setzt aber schon die erste Verwirrung ein. Wieso lebt Garagrim noch und wo ist Snori Nasenbeißer?

Die Zeit in der Road of Skulls spielt:

Der Slayerprinz kommt im Sturm des Chaos um, welcher in 2522 stattfindet. In den Büchern von Long kommen die Helden aus den fernen Landen nach 20 Jahren zurück in die Alte Welt und erfahren, dass der Sturm des Chaos im Norden tobt (Orcslayer). In den folgenden Romanen erfahren sie aber weiter dass, der Sturm des Chaos bereits vorbei ist und die Chaosarmeen vernichtet wurden. Flüchtlinge und zurückkehrende Soldaten des Imperiums prägen das Bild. Am Ende des Long Zyklus, wie ich ihn mal nennen will, sind die beiden mit Snorri Nasenbeißer auf dem Weg nach Karak Kadrin.

Jetzt in Road of Skulls, kein Slayer im ganzen Titel, befinden wir uns im Imperialen Jahr 2503. Die Zitate in Charnell Congress und Road of Skulls zeigen beide das Jahr 2305. Kalevalhammer hat dafür eine Zeitleiste gebaut. Offenbar sind die beiden auch noch nicht mit dem Luftschiff in der Chaoswüste gewesen, da Felix einen Chaoshund sieht und diesen nicht kennt. In Karag Dum (Die Chaoswüste) treffen sie dann später auf einige weitere dieser Monster und schlagen sich mehr als einmal mit Thanquol rum. Die Handlung spielt auch offenbar nachdem das Paar in Karak Achtgipfel war und Felix dort sein Schwert gefunden hat, also zeitlich in dem frühen Trollslayer welches mehr eine lose Abenteuersammlung denn ein richtiger Roman war. Skavenslayer, keine Ahnung wie da jetzt der deutsche Titel war, beginnt damit, dass Sie Kanalwächter in Nuln sind. Ich nehme an, dass die aktuelle Handlung auch noch davor spielt.

Also kurzum ein interessanter Schritt der Black Library. Anstatt die Handlung im Imperium nach dem Sturm des Chaos mit Snorri weiterzuführen springt Josh Reynolds in den Anfang der beiden also diese wild durch das Imperium ziehen. Auch bietet dieser Schritt Nathan Long die Möglichkeit irgendwann den Teil um Snorri Nasenbeißer weiterzuschreiben.

Wenn man dies alles weiß, dann macht der Roman mehr Sinn.

Weiter in der Handlung:
Die Helden helfen bei der Verteidigung der Wehrstadt und nachdem dies durchgestanden ist nehmen sie an einem speziellen Ausfall teil. Zusätzlich wird Gotrek vom Grimnirpriester Axeson eine Prophezeiung mitgeteilt die beiden nicht richtig schmeckt und der Oberbösewicht arbeitet am Untergang der Alten Welt. Im letzten Drittel des Romans kann also noch einiges passieren.

Allgemeine Gedanken zum Roman:
Josh Reynolds macht seine Sache meiner Meinung nach gut. Es werden immer wieder neue Charaktere eingeführt die dann, wie bei den Romanen üblich, wenig später kaputtgehen, aber die bösen werden meistens eingeführt wenn der Fokus der Handlung im Heerlager der Chaosarmee ist. Man lernt sie also unter ihres gleichen kennen und sieht sie dann ein weiteres Mal wenn Gotrek und Felix auf sie treffen. William King hat das auch oft gemacht wenn es um die beiden Chaoszauberer ging. Hier kommt es mir aber länger und ausdefinierter vor. Das soziale Geflecht der Chaosarmee und ihr Glaube an Khorne und die Götter des Chaos ist sehr detailliert beschrieben. Von den wilden Norse, zu den Reiterstämmen des Ostens und den aufgestiegenen Chaoskriegern. Neu ist dabei ein Chaoskrieger namens Canto, der etwas realistischer als seine Mitmarodeure an die Probleme rangeht. Dieser muss sich seiner Mitbewerber erwehren und gleichzeitig die Zwergenstadt belagern. Meiner Meinung nach schön gemacht. Sollte er den Roman überleben scheint sich eine Art kleiner Thanquol aufzubauen. Wirklich ein Novum sind die Chaoszwerge die die Kriegsmaschinen beisteuern und auch mit einigen Charakteren vertreten sind die sich mehr als einmal über die schwächlichen Zwerge zu Wort melden. Die Chaoszwerge waren von Games Workshop in der Vergangenheit als eigenständige Armee gestrichen worden und nur als teure Forgeworld Alternative spielbar. Deren Kriegsmaschinen tauchten aber immer wieder bei den Chaosarmeen auf.
Bei Nathang Long gab es kaum den Blickwinkel der bösen. Weder in Orkslayer, Elfslayer, Manslayer, Schamanslayer noch Zombislayer. Es wurde immer aus der Sicht von Felix und Gotrek berichtet. Reynolds geht wieder den King-Weg mit Handlungssträngen die die Bösen verfolgen und selbst durchführen wollen. Auch offscreen handlungen wie früher Teclis, oder aktuell mit Ungrimm Eisenfaust. Man erkennt also die Intention der Antagonisten. Beides hat seine vor und Nachteile. Bei Long fieberte man mit den Helden mit und hat mit seinem gesammelten Warhammerwissen versucht zu erahnen was passieren könnte. Also ein klarer Spannungsaufbau. Bei Reynolds ist es eher wieder wie damals mit Tanquol der etwas Mieses plant und ein Ziel hat. Felix und Gotrek geraten dann dort hinein. Der Leser hat also mehr Wissen als die Helden und kennt aber auch den Preis wenn sie versagen.

Das ist der eine Unterschied. Der andere ist, dass Gotrek wesentlich mehr spricht. Und ich meine wirklich wesentlich mehr. Im ersten Drittel des Romans hatte er mehr Dialog als in allen Long Werken zusammen. Am Anfang fand ich es gut, im Moment nimmt es ein bisschen Überhand. Gotrek ist immer noch Gotrek. Er ist freundlich zu keinem und hat seine eigene Agenda, sprich der Größte Legendärste Tod ever. Er spricht nur sehr viel mehr. Positiv ist, dass die Unterhaltungskomik zwischen Felix und Gotrek ins Rollen kommt. Felix macht mehr als einmal eine schnippische Bemerkung die er dann als Hustenanfall oder Versprecher abmildern muss. Und durch die Dialoge kommt sehr gut die zwergische Geisteshaltung zum Tragen, plus die Haltung eines Slayers. Negativ ist, dass man ihn so eigentlich nicht kennt. Und früher hat es mich immer gestört, dass er Garnichts gesagt hat.

Fazit:
Reynolds macht nicht da weiter wo Long aufgehört hat. Sowohl von der Handlung als auch sprachlich und stilistisch. Ich persönlich fand Long um Längen besser als King, und Reynolds würde ich nach den ersten zwei Drittel des Buches zwischen den beiden ansiedeln. Das finale Ranking kann sich aber noch ändern.

Der Roman selbst mit der Belagerung der Zwergenstadt ist gut gelungen. Die Belagerung von Praag damals fand ich dramatischer aber Reynolds macht das schon ganz ordentlich. Die Zwerge werden gut beschrieben und es tauchen einige zwergische Subcharaktere auf die ihre zwei Zeilen Ruhm haben. Also aus Zwergensicht: Zwei dicke Zwergendaumen hoch!

Auf jeden Fall ein Pflichtkauf für alle Warhammer Fantasy Leser und Zwergenliebhaber.